Hochzeitsrede für Andrea und Yvonne

Rede von Christian G., Trauzeuge und bester Freund

Liebes wunderschönes Brautpaar, liebe Angehörige, liebe Freunde,


es war mir nicht nur eine Ehre, der gemeinsame Trauzeuge von Andrea und Yvonne sein zu dürfen, zwei Hochzeitskleider mit auszuwählen, zwei Junggesellinnenabschiede zu planen und die wilden Geschichten von zwei Junggesellinnenabschieden vor der jeweils anderen Braut geheim halten zu müssen. Natürlich habe ich mich auch perfekt auf eine kleine Rede vorbereitet, in der ich eine ganze Reihe kompromittierender Details endlich ans Tageslicht befördern kann.


Nein, das werde ich nicht tun.


Und ich hoffe, dass keine von euch beiden ernsthaft geglaubt hat, dass ich zu so etwas in der Lage wäre. Ihr seid einfach zwei wundervolle Menschen und das kann man euch gar nicht oft genug sagen. Und nur darum wird es in den kommenden paar Minuten gehen. Versprochen.


Andrea und ich kennen uns seit gefühlt 100 Jahren, genauer gesagt seit der Oberstufe. Dass wir Freunde wurden, mag daran gelegen haben, dass wir beide uns immer etwas fremd unter unseren Mitschülern fühlten und nie so richtig „passten“. Klar, uns beschäftigten die gleichen Themen wie alle anderen auch: der erste Freund, die erste Freundin, der erste Kuss, der erste Sex. Nur, dass ich halt den ersten Freund hatte und sie die erste Freundin. Und obwohl wir beide mit dem jeweils anderen Geschlecht nicht viel anfangen konnten, rückten wir genau deshalb enger zusammen. Nicht nur die dummen Sprüche unserer Mitschüler ließen sich dadurch leichter ertragen.


Dass dein Outing seinerzeit trotz der überforderten Mitschüler so glimpflich ablief, hast du auch deinen wundervollen Eltern zu verdanken. Du kannst stolz auf sie sein und hast sie wahrlich gut erzogen.


Nein! Werner, Marianne, ihr könnt stolz auf euch sein, eine so liebenswerte, kluge und mitfühlende Tochter großgezogen zu haben. Ihr habt Andrea so viel Liebe, Vertrauen und Respekt mit ins Leben gegeben, dass jeder Mensch, der sie kennenlernt, davon ebenfalls profitiert. Denn sie bringt Liebe, Vertrauen und Respekt in die Welt. Ich denke, ihr habt alles richtig gemacht. Danke dafür.


Und dann, vor fast neun Jahren, trat Yvonne in Andreas Leben. Auf dem CSD in Köln.
Hallo? Wie klischeehaft ist das denn bitte? Und wie kitschig? Die große lesbische Liebe, die heute in den Hafen der Ehe eingelaufen ist, hat auf einer Schwulen-und-Lesben-Parade begonnen. Selbst der RTL-SMS-Single-Chat hätte eine originellere Geschichte hergegeben. Aber nun ja.


Ein paar Wochen lang habt ihr euch beschnuppert, telefoniert, gechattet. Ihr habt die Wochenenden zusammen verbracht und – ich denke heute kann endlich die Wahrheit ans Licht – seid euch auch körperlich nähergekommen.

Dass die Geschichte mit euch etwas Ernsthaftes werden könnte, wurde mir ziemlich schnell klar, denn die Art und Weise wie Andrea von dir, Yvonne, redete, kannte ich nicht. So hatte sie bisher nie von ihren Freundinnen erzählt. Da war ein Strahlen in ihren Augen. Ganz hell und klar und leicht.


Ich weiß nicht, ob du dich daran erinnerst, Andrea, bei einem unserer Treffen ganz zu Anfang deines Weges mit Yvonne sagte ich einmal zu dir: So wie du von ihr erzählst, wirst du sie irgendwann mal heiraten. Ach nee, geht ja nicht. Und wir lachten beide ein wenig verbittert über meinen doofen Scherz. Die Rechte unserer Community, die echte Gleichstellung von Lesben und Schwulen, war dir immer besonders wichtig. Und damals hätte ich nicht gedacht, dass du in absehbarer Zeit wirklich heiraten würdest. Eingetragene Lebensgemeinschaft, ja. Aber eine Heirat? Das tiefe, ehrliche Gefühl, den Rest seines Lebens miteinander verbringen zu wollen – eingepackt von diesem einen Wort „Ehe“? Die gleichen Rechte und Pflichten teilen, so wie jedes Hetero-Pärchen? Da habe ich nicht mit gerechnet. Und was soll ich sagen: Selten hat sich eine falsche Einschätzung so gut angefühlt.


Yvonne, du bist der Mensch, der in Andreas Leben gefehlt hat. Wer euch sieht, spürt instinktiv: Ihr gehört zusammen. Ihr achtet euch, ihr achtet auf einander und ihr engagiert euch beide für die Rechte anderer. Mit dieser Hochzeit heute feiert ihr nicht nur eure Liebe. Ihr feiert ein Ereignis, für das ihr viele Jahre gekämpft habt. Und ich bin froh und stolz, euer beider Trauzeuge sein zu dürfen.


Bevor ich jetzt noch rührseliger werde und möglicherweise doch noch die eine oder andere kompromittierende Geschichte von euren Junggesellinnenabschieden ausplaudere, hebe ich einfach mein Glas auf euch. Und mit mir eure Gäste!


Auf die Liebe, der es egal ist, wo sie hinfällt. Ich wünsche euch, dass ihr sie immer im Herzen behalten werdet.

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