Hochzeitsrede für Christina und Mark

Rede von Marion L., Brautmutter

Liebe Christina, lieber Mark, liebe Gäste,


mir fällt die große Ehre zu, das sehnlich erwartete Essen noch ein klein wenig hinauszuzögern. Und damit der Hunger die Lage nicht eskalieren lässt und es zu Handgreiflichkeiten kommt, habe ich ein paar Körbchen mit Snickers vorbereitet, die – wie ich sehe –  gerade die Runde machen. Wir sind nicht wir, wenn wir hungrig sind.


Bevor wir also schlemmen, das Brautpaar mit seinem Tanz den ungezwungeneren Teil des Tages einleitet und vielleicht noch die eine oder andere Überraschung auf Tina und Mark wartet, möchte ich gern ein paar Worte sagen. Zunächst einmal, ganz wichtig: Danke! Danke, dass ihr so zahlreich erschienen seid, um mit meiner Tochter und meinem Schwiegersohn zu feiern.


Feste soll man feiern, wie sie fallen, heißt es in einem Sprichwort. Und eine Hochzeit ist der schönste Grund für ein Fest. Sie ist der Meilenstein der Liebe. Sie ist der Beginn von etwas Großem. Von etwas, das hoffentlich niemals endet.


Solche Worte hätte wahrscheinlich Eberhard – mein Mann – verwendet, der leider – wie die allermeisten hier wohl wissen – diesen wundervollen Tag nicht mehr miterleben kann. Die Liebe mag endlos sein, das menschliche Leben ist es nicht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir die Feste feiern, wie sie fallen. Dass wir uns immer wieder auf das Schöne besinnen, das Glück genießen und jeden einzelnen Tag dem Leben und unserer Liebe achtsam begegnen.


In einer guten Rede müsste ich jetzt ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern, ein paar Anekdoten herauskramen. Darüber, wie ihr euch kennengelernt habt, wie wir Eltern eure Beziehung beobachtet haben, wie wir Mark – als Schwiegersohn in spe – ausgiebig geprüft haben. Aber erstens bin ich keine gute Rednerin und zweitens warst du, Mark, ja schon immer da. Seit dem Kindergarten kennt ihr euch und spätestens seit der Grundschule gehörtest du zu unserer Familie. Und Christina zu deiner. Wir vier Elternteile fanden eure Freundschaft ganz großartig. Und natürlich auch praktisch, denn Babysitter brauchten wir nur selten. Irgendjemand von uns war immer für euch da, passte auf, machte Essen, klebte Pflaster auf Schrammen und bepustete Beulen. Sicher, damals warst du ausschließlich Tinas Schulfreund oder Kumpel, aber du warst da. An den Wochenenden, nach der Schule und in den Ferien. Irgendwie immer.


Während und kurz nach der Pubertät bekamen wir dich dann weniger zu Gesicht. Dafür stellte uns Tina im Laufe der Jahre den einen oder anderen jungen Mann vor. Diese jungen Männer beobachteten und prüften wir dann tatsächlich sehr genau. Und über einige von ihnen könnte ich jetzt auch durchaus mehrere Anekdote beisteuern. Aber, lieber Mark, ich denke auch du hattest deine wilden Jahre. Das hoffe ich zumindest.


Und irgendwann – Christina hatte gerade die Ausbildung beendet und wohnte in ihrer ersten eigenen Wohnung – tauchte dein Name in Gesprächen wieder häufiger auf. Wir sind nur Freunde, sagte Tina anfangs, als ich einmal nachfragte. Okay. Warum auch nicht.


Aber im Laufe der Zeit sagtest du dies auch oft, wenn ich nicht nachfragte. Einfach so. Definitiv zu oft. Und da begann ich, mir so meine Gedanken zu machen. Ich erinnere mich noch ganz genau an den entscheidenden Moment. Wir hatten gerade telefoniert, du hattest wieder einmal ziemlich zusammenhangslos Mark erwähnt und direkt hinterhergeschoben, dass ihr ja nur Freunde wäret. Irgendwann war unser Gespräch beendet, ich legte auf, blickte deinen Papa an und teilte ihm meine Vermutung – vielleicht sogar Hoffnung – mit: Da ist doch mehr als nur Freundschaft. Also eigentlich sagte ich sowas wie: Ich glaube, da geht was zwischen den beiden. Und er sah mich mit seinen braunen Augen an, grinste verschmitzt und grummelte ein Naja, könnte schlimmer kommen in seinen Bart.


Und jetzt sitzt ihr beide da vorn am Tisch. Als Ehepaar, das sich gemeinsam auf den Weg gemacht hat, den Rest des Lebens miteinander zu gestalten. Und ich weiß, dass jetzt irgendwo vom Himmel zwei braune Augen liebevoll-verschmitzt auf euch hinabsehen und euch all das Gute und Schöne wünschen, das diese Welt zu bieten hat.


Ihr kennt euch so gut wie niemand sonst. Ihr seid euch vertraut. Ihr achtet, respektiert und liebt euch. Das sieht man euch an. Nicht nur heute, sondern jeden Tag. Ihr geht miteinander durchs Leben und das ist wundervoll. Ich wünschte mir, dass jeder eurer Schritte auf diesem Weg ein Fest sein könnte. Leider werdet ihr nicht allen Steinschlägen, Steigungen und Hindernissen auf diesem Weg ausweichen können. Aber ihr habt Freunde, ihr habt Familie und ihr habt euch. Und damit schafft ihr alles. Jeden Weg.


Liebe Christina, lieber Mark,


Eberhard,


ich erhebe mein Glas auf euch. Und auf die Liebe, die niemals enden möge.

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